Info3, Ausgabe Oktober 2017
Gedruckte Ausgabe
geheftet
€ 5,80
Was kleine Kinder brauchen (10/2017)
Bindungssicherheit • Entfaltungsräume • Altersgemäße Ernährung

Was brauchen kleine Kinder – was wäre Ihre erste Antwort auf diese Frage? Vermutlich sind wir uns über eine Option rasch einig: Kinder sollen sich frei entfalten dürfen, sie sollen das, was in ihnen liegt, ohne Druck selbst finden und ausleben können. Eine zweite vermutlich konsensfähige Antwort: Sie müssen dafür einen sicheren Rahmen zur Verfügung haben, in dem sie sich geborgen fühlen. Freie Entfaltung also zum einen, Bindung und Vertrauen zum anderen – das ist, was kleine Kinder brauchen.

Neben der Einigung auf diese allgemeinen Grundsätze bleibt aber, wie so oft, die Frage nach dem Wie entscheidender – und wohl weit weniger konsensfähig. Wie viel Förderung braucht die Entfaltung? Was ist noch Anregung und wo beginnt Stress? Was ist wichtiger Impuls, was Überfrachtung? Und in Fragen der Bindung: Muss das immer der klassische Bezug zu den Eltern sein, was ist mit Ein-Eltern-Familien, und welche Rolle spielen Pädagogen oder Freunde?

Was also ist es, das kleine Kinder wirklich brauchen? In dieser Ausgabe geben Beraterinnen, Therapeuten, Künstler und Mütter Antworten. Als ein wichtiger Schwerpunkt hat sich dabei neben der Bindung die Frage nach den digitalen Medien herausgestellt. Silke Kirch berichtet in ihrem Beitrag von einem beunruhigenden Experiment, das die Folgen des Blick-Entzugs im Verhältnis von Eltern und Kind betrifft. Der Kinderarzt Till Reckert bezweifelt den Hype um das „digitale Klassenzimmer“ und die Vereinigung der Waldorfkindergärten in Deutschland (die unser Schwerpunktheft freundlicherweise unterstützt) hat gar eine Petition gegen das Vordringen von Tablets in Kitas gestartet.

Geht es also um die Wahrung einer heilen Waldorf-Welt? Keineswegs, wie Renate Hölzer-Hasselberg in ihrem Beitrag sagt: Die Welt, wie sie ist, braucht keine Belehrung, sondern Unterstützung in den so und nicht anders gewordenen Herausforderungen. Eine Gratwanderung, wie so oft in unseren Zeiten. Unser Heft will dazu ein Beitrag sein.